Porträt von Petrov Ahner
photo@HD Seibt

Ich bin 1965 geboren. Nach meiner Assistenzzeit in München und Miami ging ich 1994 nach Paris. Dort arbeitete ich fünfzehn Jahre als Mode- und Porträtfotograf. Paris wurde mein Zuhause.

Mit der Zeit veränderte sich mein Blick und damit auch meine Fotografie. Die politische Entwicklung in Frankreich und die Verschärfung der Einwanderungsgesetze beschäftigten mich, auch als Ausländer, der dort lebte. Im Sommer 2009 begann ich, die Aktionen der Sans-Papiers zu dokumentieren – Menschen ohne Aufenthaltspapiere, die für ein legales Leben und Arbeiten in Frankreich kämpften.

Daraus entstand „Out of the Dark“. In einem besetzten Verwaltungsgebäude richtete ich für 48 Stunden ein Fotostudio ein. Mehr als hundert Menschen ließen sich porträtieren. Von vielen kannte ich weder den Namen noch ihre Geschichte. Mit den Porträts wollte ich ihrem Kampf Gesichter geben.

Ende 2009 zog ich nach Berlin. Mit dem Ortswechsel verband sich das Bedürfnis, auch fotografisch etwas zu verändern. Von 2010 bis zur Räumung im September 2012 begleitete ich das Kunsthaus Tacheles, seine Künstlerinnen und Künstler, ihren Alltag und ihren Kampf um diesen Ort. Aus Begegnungen wurden Freundschaften.

Menschen und die Orte, an denen sie leben, ziehen sich durch meine Arbeiten. In „Berlin Beauty“ suche ich das Gesicht meiner Wahlstadt Berlin in ihren Bewohnern. Für „Whistleblower in Deutschland“ porträtierte ich Menschen, die Missstände öffentlich gemacht hatten. 2017 begann ich im Berliner Ricam Hospiz mit „Was bleibt“. Porträts und Gespräche mit Menschen, die wissen, dass ihnen wenig Zeit bleibt. Was verändert sich im Alltag, wenn das Ende absehbar wird?

In „Koinzidenzen“ bewege ich mich im Feld der Street Photography. Die Bilder entstehen aus einem Zusammenspiel von bewusster Gestaltung und instinktivem Reagieren auf einen Moment. Mit „Paris 26th floor“ verbindet diese Arbeit die Unschärfe, das Unklare. Formen und Situationen bleiben offen, lassen sich nicht vollständig entschlüsseln. Daraus entsteht etwas Poetisches, manchmal auch Irritierendes.

„Warschauer Brücke“ und „It could be anywhere“ entstehen in meinem alltäglichen, oft banalen Umfeld. Orte, die ich regelmäßig durchquere oder an die ich zurückkehre. Durch den fotografischen Blick bekommen sie eine Bedeutung, die über den konkreten Ort und meine persönliche Beziehung zu ihm hinausgeht. Im Vertrauten werden Stimmungen sichtbar, die auch von Veränderung, Erinnerung und Vergänglichkeit erzählen.

In den letzten Jahren beschäftige ich mich in meiner persönlichen Arbeit zunehmend mit analoger Fotografie. Dabei lasse ich Zufälle, Fehlentwicklungen und das Unkontrollierbare zu. Gleichzeitig interessieren mich die Begrenzung und die materielle Wertigkeit des fotografischen Bildes. Ein Film erlaubt nur eine bestimmte Anzahl von Belichtungen. Zwischen dem Fotografieren und dem Sehen des Ergebnisses vergeht Zeit. Das verändert, wie ich ein Bild konzipiere und wann ich auf den Auslöser drücke. Ich entscheide, ohne das Ergebnis unmittelbar überprüfen zu können. Manches lässt sich vorbereiten, anderes zeigt sich erst später.

Ausstellungen

2 Oct- 2 Nov 2018 Koinzidenzen, 8.Europäischer Monat der Fotografie Galerie Carpentier Solo Exhibition

June 30 – July 10 2017 2 Positionen, Photo exhibition Petrov Ahner & HD Seibt, Hochparterre Berlin/StudioSalon, Prinzessinnenstraße 7, Kreuzberg

June 12 – June 21 2015 Berlin Beauty Tour #2 at Hochparterre Berlin/StudioSalon, ‚Portraits‘ collective exhibition, Berlin, Prinzessinnenstraße 7, Kreuzberg

April 24 – June 6 2015 Berlin Beauty Tour #1 at „Delphi“ collective exhibition, Fotogalerie Friedrichshain, Berlin

October 17 – Dec 18 2014 „ASYL“, 6th European Month of Photography (MdF Berlin), Sprechsaal, Berlin

Oct 2013: „Drop Out“ Contre Zona Rassegna d’arte Contemporanea Mestre „Drop Out“

May 5 – June 10 2012 Endstation, Königswinter Berliner Künstler auf der Intensivstation, Group Exhibition

February 11 – March 3 2012 Goldener Saal Kunsthaus Tacheles, Berlin Festival Tacheles Biennale 2012 Werkschau 22 Years, Group Exhibition

November 26 – December 18 2011 Gallery xpon-art, Hamburg Anschlag, Group Exhibition in collaboration with Miriam Wuttke (performance)

June 17 – July 17 2011 Silver Silver Lopez Project-Room, Berlin FocusDiversion /// Luxury Homes, Group Exhibition

May 21 – May 29 2011 Goldener Saal Kunsthaus Tacheles, Berlin Whistleblower-Licht ins Dunkle bringen

April 2 2011 Bauchhund Gallery, Berlin Werkschau 5 Jahre, Group Exhibition

Jan 21 – Feb 11 2011 Abnormals Gallery, Berlin Fashion Weak, Group Exhibition

Oct 8 – Nov 5 2010 New Gallery Kunsthaus Tacheles, Berlin Burned Condition, Site specific photo installation

Oct 1 – Nov 5 2010 sineDie ProjectRoom, Berlin 1984, Photo exhibition Orvar + Petrov Ahner

March 2010 Espace le vend se leve Paris Stepping out of the dark, Slideshow of portraits of illigal immigrants

2007 Galerie Vie, Tokio The Belgium Way

2002 Museum of Fashion and textiles, Louvre, Paris Track 2, Track-Magazine

1999 Carusel du Louvre, Paris What is fashion? Beaux Art Magazine

Zusammenarbeit

Designer

Jean-Paul Knott, Cerruti 1881, Jean-Charles de Castelbajac, Bermhard Willhelm, Lutz, Brownie & Blondie

Magazine

High Fashion , Elle Japan, Elle Belgium, Depeche Mode, DS, Perso, Jalouse, Tracks, Upstreet, TAZ, Tagesspiegel

Galerien und Institutionen

German Institute for Human Rights, Abnormals Gallery, SineDie Project-Room, Silver Silver Lopez Project-Room, Gallery Bauchhund, Sprechsaal, xpon-art gallery, Kreuzberg Pavillion

Künstlerische Zusammenarbeit

Amaru Cholango, Barbara Fragogna, Karen Haase, Orvar, Andrea Penzo & Cristina Fiore, Alexander Rodin, Miriam Wuttke