kämpfen – continental































Im Sommer 2009 machte ich mich mit meinem Hund und einem Zelt von Paris auf den Weg nach Clairoix. Hundert Kilometer zu Fuß durch die Picardie. Mit dem Zug wäre ich in einer Stunde dort gewesen. Ich wollte mir Zeit nehmen, ein Gefühl für die Gegend bekommen, in der die Menschen lebten, deren Kampf ich seit Monaten verfolgte.
Anfang des Jahres hatten die Continentalarbeiter gegen die angekündigte Schließung ihrer Fabrik gekämpft. Ihr Widerstand war entschlossen, mitunter radikal, und wurde von vielen Menschen unterstützt. Inzwischen waren Abfindungen ausgehandelt, die Zeitungen hatten von einem Erfolg berichtet. Die Schlagzeilen waren verschwunden. Mich beschäftigte die Frage, wie es den Menschen dahinter ging. Was bedeutete dieser Erfolg für sie, jetzt, im Sommer, angesichts des Verlusts ihrer Arbeit?
Bei einer der letzten großen Demonstrationen hatte ich einige Arbeiter porträtiert. Mit diesen Bildern wollte ich sie wiederfinden. Mein erster Anlaufpunkt sollte das zentrale Café im Ort sein. Doch vorher ging ich zur Fabrik.
Zu meiner Überraschung wurden die Fabriktore noch immer von Arbeitern des Subunternehmens UTI blockiert. Mein Hund legte sich unter ihren Tisch, wurde mit Leckereien versorgt und bewegte sich die nächsten Stunden kaum noch. Ich blieb mehrere Tage und baute eine persönliche Beziehung zu den Menschen und ihren Familien auf.
Ich verbrachte Zeit mit ihnen, hörte zu und fotografierte. Später kehrte ich zum Prozess gegen einige der Wortführer zurück, denen die Verwüstung einer Präfektur vorgeworfen wurde. Bis Mitte September begleitete ich ihren Kampf. Die etwa 30 UTI-Arbeiter hielten die Besetzung noch bis in den Herbst 2009 aufrecht – insgesamt mehr als drei Monate, rund um die Uhr, sieben Tage die Woche. Für sie war ich „der Mann, der mit seinem Hund zu Fuß aus Paris zu uns gekommen ist“.
Als Porträtfotograf wollte ich diesem Kampf Gesichter geben. Mit der Zeit lernte ich die Menschen und ihre Anliegen kennen, ihre Wut, ihre Unsicherheit und ihren Zusammenhalt. Die Gespräche und die gemeinsam verbrachte Zeit prägten meinen Blick. Ich fotografierte als jemand, der gekommen und geblieben war.
In the summer of 2009, I set off from Paris for Clairoix with my dog and a tent. A hundred kilometres on foot through Picardy. By train, I would have been there in an hour. I wanted to take my time, to get a feel for the region where the people lived whose struggle I had been following for months.
Earlier that year, the Continental workers had fought against the announced closure of their factory. Their resistance was determined, at times radical, and supported by many people. Severance payments had since been negotiated, and the newspapers had reported a victory. The headlines had faded. I wondered how the people behind them were doing. What did that victory mean to them now, in the summer, facing the loss of their jobs?
At one of the last major demonstrations, I had taken portraits of some of the workers. I wanted to use those photographs to find them again. My first stop was going to be the main café in town. But first I went to the factory.
To my surprise, workers employed by the subcontractor UTI were still blocking the factory gates. My dog settled under their table, was supplied with treats and barely moved for the next few hours. I stayed for several days and built a personal relationship with the people and their families.
I spent time with them, listened and took photographs. Later, I returned for the trial of some of the leading figures, who were accused of ransacking a prefecture. I followed their struggle until mid-September. The roughly 30 UTI workers continued the occupation into the autumn of 2009 – more than three months in all, around the clock, seven days a week. To them, I was “the man who walked here from Paris with his dog”.
As a portrait photographer, I wanted to give this struggle faces. Over time, I came to know the people and their concerns, their anger, their uncertainty and their solidarity. Our conversations and the time we spent together shaped the way I saw them. I photographed as someone who had come and stayed.