Košice
Mit sechs Jahren verließ ich Košice, um mit meiner Mutter in Süddeutschland zu leben. Bis zu meinem achtzehnten Lebensjahr kehrte ich regelmäßig zurück. Die Stadt meiner Kindheit lag damals in der sozialistischen Tschechoslowakei. Nach einem weiteren Besuch mit etwa 23 Jahren, nach dem Mauerfall, sollten etwa fünfunddreißig Jahre vergehen, bis ich Košice wieder besuchte. Trotzdem war Košice gefühlt lange noch meine Heimat, eine Art Sehnsuchtsort.
Im Sommer 2024 kam ich für ein Familienfest zurück. Mit meiner analogen Kamera suchte ich Orte auf, an die ich mich nur noch vage erinnerte. Ich suchte nach Spuren der Vergangenheit, nach etwas Vertrautem. Was war noch da? Was erkannte ich wieder?
Durch einen Fehler bei der Filmentwicklung bekamen die Bilder etwas, das meiner Suche entsprach. Unscharf, grob, von Kratzern durchzogen. Im Verwaschenen verlieren sich Einzelheiten, Konturen lösen sich auf. Vieles bleibt unbestimmt. Ähnlich meinen Erinnerungen, in denen manches geblieben ist und anderes über die Jahre verblasst.
Košice
At the age of six, I left Košice to live with my mother in southern Germany. I returned regularly until I was eighteen. The city of my childhood was then part of socialist Czechoslovakia. After another visit at around twenty-three, following the fall of the Berlin Wall, about thirty-five years would pass before I visited Košice again. Yet, for a long time, it still felt like home, a place I longed for.
In the summer of 2024, I returned for a family celebration. With my analogue camera, I revisited places I remembered only vaguely. I searched for traces of the past, for something familiar. What was still there? What did I recognise?
An error during film development gave the images something that echoed my search. Blurred, grainy, marked by scratches. Details fade into washed-out surfaces; contours dissolve. Much remains indistinct. Like my memories, in which some things have stayed while others have faded over the years.