kämpfen – csp 75

In Paris begegnete ich Menschen, die oft seit Jahren in Frankreich lebten und arbeiteten, ohne gesicherten Aufenthaltsstatus. Unter Präsident Nicolas Sarkozy und seiner restriktiven Migrationspolitik verschärfte sich ihr Kampf um Legalisierung. Die CSP75, ein Zusammenschluss von Sans-Papiers in Paris, hatte die Bourse du Travail besetzt.

Während viele von ihnen an ihrer wöchentlichen Demonstration teilnahmen, wurde die Besetzung gewaltsam durch Gewerkschaftskräfte geräumt. Zurückgeblieben waren vor allem Frauen und Kinder. Die Bereitschaftspolizei CRS ließ die Räumung geschehen. Anschließend harrten die Menschen auf den Gehwegen vor der Bourse du Travail aus.

Als ich von einem angekündigten schweren Gewitter erfuhr, fuhr ich dorthin. Ich wollte wissen, ob sie davon wussten und vorbereitet waren. Das waren sie nicht. Durch den Hinweis blieb ihnen noch Zeit, Planen zu besorgen und ihre Sachen zu schützen. Als das Gewitter losbrach, begann ich zu fotografieren.

Wenig später besetzten sie ein leerstehendes Verwaltungsgebäude im 19. Arrondissement. Über etwa sechs Monate verbrachte ich regelmäßig Zeit dort, manchmal blieb ich über Nacht. Zu meiner Überraschung hatten das bisher nur wenige Unterstützer getan.

Was eine solche Übernachtung bedeutete, verstand ich erst später. Eines Abends kam ich nach 22 Uhr zurück. Die Türen waren bereits geschlossen und wurden bewacht. Als der Verantwortliche der eigenen Sicherheitsgruppe mich sah, sagte er zu den anderen: „Der gehört zu uns, der kann rein.“

Dieser Satz ist mir geblieben. Ich hatte begonnen, ihren Kampf zu fotografieren, und war mit der Zeit Teil ihres Alltags geworden. Wir kannten uns, hatten Zeit miteinander verbracht und Vertrauen aufgebaut. Das prägte auch meine Fotografien.

Kurz vor meinem Umzug nach Berlin entstand schließlich „Out of the Dark“, eine Serie von über hundert Porträts der Menschen, mit denen ich diese Monate verbracht hatte.

In Paris, I met people who had often been living and working in France for years without secure residency status. Under President Nicolas Sarkozy and his restrictive immigration policies, their struggle for regularisation intensified. CSP75, a collective of undocumented migrants in Paris, had occupied the Bourse du Travail.

While many were taking part in their weekly demonstration, the occupation was forcibly evicted by union personnel. Those who had stayed behind were mainly women and children. The CRS riot police allowed the eviction to take place. Afterwards, the people remained on the pavements outside the Bourse du Travail.

When I heard that a severe thunderstorm was forecast, I went there. I wanted to know whether they knew about it and were prepared. They were not. The warning gave them time to get tarpaulins and protect their belongings. When the storm broke, I began taking photographs.

Shortly afterwards, they occupied an empty administrative building in the 19th arrondissement. For about six months, I spent time there regularly, sometimes staying overnight. To my surprise, very few supporters had done so before.

Only later did I understand what spending a night there had meant. One evening, I returned after ten. The doors were already closed and guarded. When the man in charge of their own security team saw me, he told the others: “He’s one of us. Let him in.”

Those words have stayed with me. I had begun by photographing their struggle and, over time, had become part of their everyday lives. We knew each other, had spent time together and built trust. That shaped my photographs too.

Shortly before I moved to Berlin, I made “Out of the Dark”, a series of more than a hundred portraits of the people I had spent those months with.